Die Menschen bewegen und mitnehmen

Der Rhein-Ruhr-Express (RRX) ist ein Quantensprung für die Mobilität der Menschen in der verkehrlich stark belasteten Metropolregion Rhein-Ruhr. Das wichtigste Schienenprojekt Nordrhein-Westfalens ist für seine erfolgreiche Umsetzung aber auf die Akzeptanz der Bevölkerung angewiesen. Wie möglichst viele Bürger vom RRX überzeugt werden können, war Thema der Regionalkonferenz am 2. Februar in Essen mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und dem VRR-Verwaltungsratsvorsitzenden Hans Wilhelm Reiners.

RRX-Faktor Mobilität: Die Menschen bewegen. Themenpodium im RWE-Pavillon mit (v.l.n.r.) NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, Martin Husmann (VRR), Ulrich Jäger (VDV), Manfred Fuhg (Siemens) und Hans-Jürgen Best (Stadt Essen) // Quelle: Thomas Willemsen

Die Diskussion mit Vertretern aus Politik, Verkehrsbranche und Wirtschaft vor rund 120 Teilnehmern in der Essener Philharmonie machte deutlich, warum der RRX für die Region so wichtig ist. „Wir haben zu wenig Schiene für zu viel Verkehr“, brachte es Minister Groschek auf den Punkt. Der Ausbau der Schienenwege für den RRX biete dem Ruhrgebiet eine einmalige Chance, das vorhandene Infrastrukturdefizit abzubauen und zu Metropolen wie Berlin, München und Hamburg aufzuschließen. Auch Reiners unterstrich die Bedeutung des RRX für die 7,8 Millionen Menschen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR): „Die Fahrgäste in einem der größten Ballungsräume Europas müssen ihre Wege verlässlich zurücklegen können.“ Das gelte umso mehr vor dem Hintergrund des hohen Pendleranteils und des anhaltenden Trends zur Urbanisierung. Angesichts der hohen Verkehrsbelastung an Rhein und Ruhr leistet der RRX darüber hinaus auch einen wichtigen Beitrag für die Lebensqualität der Menschen in der Region. Das verbesserte Angebot soll vor allem mehr Pendler zu einem Umstieg vom Pkw auf den umweltfreundlichen Regionalverkehr bewegen. Ein starkes Argument dafür sind unter anderem die RRX-Züge, die mit hoher Energieeffizienz überzeugen. Die Landesinitiative KlimaExpo.NRW nahm diesen Vorteil zum Anlass, das Fahrzeugkonzept des RRX im Rahmen der Regionalkonferenz als Projekt für eine nachhaltige Zukunft auszuzeichnen.

Mobilität übergreifend denken

Wie der RRX die Mobilität der Menschen an Rhein und Ruhr verbessert, diskutierten auf dem Podium gemeinsam mit Verkehrsminister Groschek der VRR-Vorstandssprecher Martin Husmann, der Essener Stadtdirektor Hans-Jürgen Best, Ulrich Jaeger als Vorsitzender der Landesgruppe West des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen und Manfred Fuhg, Leiter von Siemens-Mobility Deutschland. Dabei herrschte Einigkeit, dass ein Projekt wie der RRX verbund- und verkehrsträgerübergreifend gedacht werden muss, um die Menschen zu überzeugen. „Verkehr endet nicht an imaginären Grenzen“, betonte Husmann. „Wir haben ganz Nordrhein-Westfalen im Blick. Ziel ist es, gute Umsteigeverbindungen zum öffentlichen Verkehr in den Städten zu schaffen und die Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln sicherzustellen.“ Auch die vom Fahrzeughersteller Siemens garantierte 100-prozentige Verfügbarkeit der RRX-Züge soll dazu beitragen, die Fahrgäste von der Verlässlichkeit des Angebots zu überzeugen. „Wir lassen die Fahrzeuge nicht mehr aus dem Auge“, versicherte Fuhg mit Blick auf das vorausschauende Wartungssystem, das mögliche Fehler schon vor ihrem Auftreten erkennen soll.

Frühzeitig Akzeptanz schaffen

Damit der RRX erfolgreich auf die Schiene gesetzt wird, müssen die Einwohner in Nordrhein-Westfalen vom Projekt überzeugt werden – gerade in der Rhein-Ruhr-Region, die vom Ausbau der Infrastruktur besonders betroffen sein wird. Wie eine gute Information und Einbindung der Menschen vor Ort aussehen kann, zeigte das zweite Podium auf. Teilnehmer waren Daniel Hitschfeld, Leiter der Servicestelle „Dialog schafft Zukunft“, Lothar Ebbers als Pressesprecher des Fahrgastverbands PRO BAHN, Regionalverband Ruhr, Michael Kolle von der DB Netz AG und Volker Haasper, Bezirksbürgermeister in Duisburg-Süd. „Die Menschen mitnehmen, frühzeitig auf ihre Sorgen eingehen und unterschiedliche Interessen ausgleichen“, beschrieb Hitschfeld die Erfolgsfaktoren einer gelungenen Bürgerbeteiligung. Auf diesen Ansatz bauen auch die Akteure des RRX, wie Kolle erklärte. Der technischer Projektleiter zeigte auf, dass es vielfältige Informations- und Gesprächsangebote gibt – zum Beispiel Bürgerversammlungen, Sprechstunden und eine Hotline. Für eine möglichst breite Unterstützung des Projekts wollen die Beteiligten den intensiven Dialog fortsetzen, unter anderem bei der Regionalkonferenz Rheinland am 2. März 2017 in Köln. Aber auch bei der Umsetzung wird es konkret: Am 8. März 2017 findet in Köln der erste Spatenstich für die Infrastrukturmaßnahmen statt und Ende 2018 gehen sukzessive die ersten neuen RRX-Fahrzeuge auf die Schiene.